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Schon mit 19 Jahren winkt ein europäischer Titel

Am Freitagabend war Sebastian Heymann mit seinen Eltern noch Einrichtungsutensilien kaufen. Für seine erste eigene Wohnung in Göppingen, die gerade einmal 800 Meter entfernt von seinem künftigen Arbeitsplatz liegt. Die Göppinger EWS-Arena soll künftig Sebastian Heymanns Wohnzimmer werden. Noch bevor der 19-jährige Horkheimer seine Bundesliga-Karriere in der nächsten Saison so richtig durchstartet, spielt er mit FrischAuf am Wochenende bereits um den ersten großen internationalen Titel. Im Final Four um den EHF-Pokal trifft Göppingen an diesem Samstag (15 Uhr) im Halbfinale in heimischer Halle auf den Bundesliga-Konkurrenten SC Magdeburg. Das zweite Semifinale (17.45 Uhr) bestreiteten der französische Vizemeister Saint-Raphael und die Füchse Berlin.

"Das ist schon verrückt. Andere in meinem Alter spielen um die deutsche A-Jugendmeisterschaft, ich im Final Four um den Europapokal", sagt Heymann. Eine besondere Nervosität verspürt er im Vorfeld nicht. "Die Anspannung wächst, wenn es in die Halle geht, wenn die Zuschauer da sind, wenn sich die Mannschaft anfeuert. Sobald ich aber auf dem Feld stehe, bin ich total aufs Spiel fokussiert."

Mehr als 200 Treffer 15 Bundesligaspiele hat der 1,98 Meter große Rückraumlinke in dieser Saison bisher absolviert, dabei 24 Tore erzielt. Im Europapokal war Heymann in der ersten Runde gegen Pfadi Winterthur (33:30) und in der Gruppenphase gegen HC Midtjylland (31:23) dabei, traf insgesamt fünf Mal. Dazu kommen die 180 Tore in der 3. Liga Süd für den TSB Horkheim. Mit seinem Heimatverein verpasste er vor zwei Wochen um Haaresbreite die Drittliga-Meisterschaft, eine Woche später in der Relegation den Zweitliga-Aufstieg. "Das ist alles nicht so glücklich gelaufen, umso mehr will ich jetzt die beiden Endspiele mit Göppingen gewinnen", sagt Heymann. Der Titelverteidiger geht trotz des Heimvorteils nicht als Favorit in die Ausscheidungsspiele. Gegen die wettbewerbsübergreifend seit 20 Spielen ungeschlagenen Magdeburger sind die personell gebeutelten Göppinger klarer Außenseiter. "Wir wollen deren Serie beenden", gibt Heymann die Marschroute vor.

Fehlende Linkshänder

Ohne die beiden verletzten Linkshänder Jens Schöngarth und Anton Halen wird viel Verantwortung auf dem Oberstenfelder Adrian Pfahl ruhen. Als zusätzliche Alternative hat FrischAuf-Trainer Magnus Andersson den 18-jährigen Joshua Braun vom A-Jugend-Bundesligateam in den Profikader berufen. Die jüngsten Auftritte der Göppinger in der Bundesliga geben ebenfalls wenig Anlass zur Hoffnung. Sechs Spiele in Folge haben die Grün-Weißen verloren, der Klassenerhalt ist noch nicht sicher. Kein Wunder, dass Andersson sagt: "Deshalb schätze ich die drei anderen Mannschaften stärker ein." Letztlich bietet das Final Four dem Club aber auch die letzte Chance, eine verkorkste Saison noch einigermaßen zu retten und sich auf diesem Wege auch wieder für den Europapokal zu qualifizieren. "Wir können frei aufspielen. Der Europapokal ist ein anderes Ufer, so ähnlich wie ein Lehrgang bei der Nationalmannschaft. Da lässt sich der Abstiegskampf in der Bundesliga mal vergessen", sagt Heymann. Tatsächlich haben die Göppinger ihre besten Spiele in dieser Saison auf europäischer Ebene absolviert. "Es gibt für uns keinen Grund, uns vor heimischem Publikum zu verstecken", geht Heymann sein erstes Final Four selbstbewusst an.

Written by son - www.stimme.de | 19.05.2017 23:26:26 | 351x gelesen