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19.02.2018 Zwei tragische Helden vergeben

Zwei tragische Helden vergeben möglichen Sieg

HC Oppen/Back - 1. Mannschaft 31:31

Der griechische Philosoph Aristoteles hat folgende Merkmale für die Rolle des tragischen Helden definiert: Im Willen das  Richtige zu tun, unterläuft dem Protagonisten ein Fehler, den er zwar im Nachhinein erkennt, aber da hat ihn bereits ein Unglück ereilt. Am Samstagabend in Backnang teilten sich zwei Hauptdarsteller diese Rolle. Ebenso geteilt wurden die Punkte zwischen dem HC Oppenweiler/Backnang und dem TSB Horkheim. Mit dem 31:31 (15:14) war zwar keine Seite glücklich, aber eine Tragödie war das Remis auch für keine der beiden Mannschaften.

Intuitiv falsch gehandelt

Die letzten 60 Sekunden gebaren jedoch die beiden tragischen Helden. Auf Horkheimer Seite hieß der Felix Kazmeier. Bis dahin hatte der junge Rückraumlinke ein starkes Spiel gemacht, war mit sieben Treffern Toptorschütze seines Teams. Doch im eigentlich letzten Angriff beging er den folgenschweren Fehler.

Es stand bereits 31:31. Eine knappe halbe Minute war noch zu spielen. Für die Gäste ging es nur darum, den Ball laufen zu lassen, Zeit von der Uhr zu nehmen. Trainer Jochen Zürn hatte die grüne Karte schon in der Hand, wollte gerade die Auszeit nehmen, um den letzten Angriff planvoll abzuschließen. Genau in dem Moment warf Kazmeier ohne Not aufs Tor. „Das war rein intuitiv“, sagte der 19-Jährige hinterher. Durch seinen Fehlwurf bekamen die Gastgeber den letzten Angriff geschenkt – noch dazu in Überzahl, weil Oliver Heß in der 59. Minute seine dritte Zeitstrafe erhalten hatte.

Der HCOB spielte die Chance wie so häufig im gesamten Spiel über die linke Angriffsseite aus, Florian Frank brach durch die TSB-Abwehr, hatte freie Wurfbahn und schmiss den Ball am Tor vorbei. Ausgerechnet Frank – fast auf den Tag genau vor einem Jahr war ihm dasselbe Missgeschick beim Derby in Horkheim passiert. Damals parierte Pascal Welz den Wurf Sekunden vor dem Ende und das Spiel endete mit einem 26:26-Unentschieden. Die Rolle des tragischen Helden scheint dem künftigen Weinsberger auf den Leib geschneidert. „In den Schlusssekunden ist so ein Wurf um ein vielfaches schwerer. Das ist wie der letzte Schuss im Biathlon“, zeigte TSB-Trainer Jochen Zürn Verständnis.

Kein Umschaltspiel

Das brachte er für Leistung seines Teams in den ersten 20 Minuten nicht auf. „Wir hatten kein Umschaltspiel“, monierte Zürn. Bis zu vier Tore Vorsprung spielten sich die Gastgeber heraus. Erst als die Grün-Blauen anfingen, mit dem Schiedsrichter-Duo zu hadern, glichen die cool gebliebenen Horkheimer kurz vor der Pause erstmals zum 14:14 aus.

Eine gute Viertelstunde vor dem Ende hätte der TSB bei einer 25:23-Führung auf die Siegerstraße einbiegen können. Doch völlig unnötige Ballverluste verhinderten dies und hielten den HCOB im Spiel. „Wir haben uns letztlich selbst geschlagen“, sagte Spielmacher Tobias Gehrke selbstkritisch. „Gehen wir da auf drei, vier Tore weg, kommt Oppenweiler nicht zurück“ – und es gibt keine tragischen Helden.

TSB Horkheim: Welz, Mathes (Tor) - Lenz (3/2), Gehrke (4), Schmid (1), Grosser (5), Strobel, Hess (4), Kazmeier (7), Freudl (4), Boschen, Zerweck (1), Bohnenstengel (2).

Written by Stephan Sonntag (stimme.de) | 19.02.2018 08:35:19 | 175x gelesen