Gegen eine „gestandene Drittliga-Mannschaft“ hätten sie heute verloren, sagte Zweibrückens Trainer Stefan Bullacher. Von einer „abgezockten Truppe“ sprach das Kommentatoren-Duo bei „Sportdeutschland.tv“ mit Blick auf die Gäste aus dem Unterland. Dabei war der TSB Horkheim am Samstagabend mit der wahrscheinlich jüngsten Mannschaft der Vereinsgeschichte in der Westpfalzhalle angetreten. Der Auftritt beim 37:32 (19:13)-Sieg hätte aber tatsächlich auch einer richtig erfahrenen Truppe gut zu Gesicht gestanden. „Ich habe den Jungs vorher gesagt, dass das Alter nicht entscheidend ist, sondern das Feuer, mit dem man ins Spiel geht“, sagte Michael Schweikardt.
Der mit seinen 38 Jahren ja ebenfalls noch junge Trainer hatte genauso seinen Anteil am gelungenen Saisonauftakt. Von Beginn an ließ er Zweibrückens Spielmacher Tim Götz von Florian Uhl in eine kurze Deckung nehmen. „Es ist selten, dass das so gut passt. Götz ist deren Dreh- und Angelpunkt, sie sind sehr abhängig von ihm“, hatte Schweikardt beim Videostudium festgestellt. In der Anfangsphase fruchtete die Maßnahme zunächst noch nicht wie gewünscht, „weil wir etwas zu passiv in der Abwehr waren“, wie der TSB-Trainer monierte.

Impulsgeber fehlt
Doch mit fortlaufender Spieldauer lahmte das Angriffsspiel der Gastgeber immer stärker. Ohne gezielt in Szene gesetzt zu werden, schlugen die Geschosse des wurfgewaltigen Halblinken Philipp Kockler abseits des Horkheimer Tores ein. Das Abräumen über außen gelang ohne den Impulsgeber ebenfalls nicht. Einzig der Halbrechte Niklas Bayer fand mit seiner Geschwindigkeit immer mal wieder eine Lücke in der Horkheimer Fünfer-Abwehr.

Auf der Gegenseite kam den Gästen die extrem offensive Defensiv-Ausrichtung der Zweibrücker sehr entgegen. Ob Spielmacher Louis Mönch oder Nick Fröhlich und Luis Foege an seinen Flanken – das flinke TSB-Rückraumtrio setzte sich in den Eins-gegen-Eins-Situationen immer wieder durch und kam so in exzellente Abschlusspositionen. Vom 7:7 (12. Minute) zogen die Horkheimer mit einem 5:2-Lauf auf 12:9 (19.) davon. Eine Führung, die über den gesamten Spielverlauf nicht mehr kleiner werden sollte.
Es entstand auch kein Bruch im Spiel, als Mönch von Bruno Levak ersetzt wurde. Der späte Neuzugang erzielte drei Minuten nach seiner Einwechslung sein Premierentor zum 14:10 (23.). Ein wunderschöner Treffer folgte kurz vor der Pause zum 18:12 (30.).

Über den Erwartungen
Den Rückenwind aus den ersten 30 Minuten nahmen die Horkheimer mit in die zweite Hälfte und beim 25:17 (41.) war schon eine Vorentscheidung gefallen. Doch selbst im Ergebnis-Verwaltungsmodus blieb das TSB-Spiel stabil. „Dass wir keinen Bruch im Spiel hatten, zeugt von der Entwicklung der Mannschaft“, sagte Schweikardt. „Ich bin richtig zufrieden. Der Auftritt lag über meinen Erwartungen.“ Natürlich auch deshalb, weil mit Oliver Heß der Kapitän und erfahrenste Spieler kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen war. „Das hat die Ungewissheit natürlich verstärkt. Wir werden Olli noch sehr dringend brauchen in dieser Saison.“
In vielen kleinen Gesten während des Spiels fiel noch etwas weiteres auf. Die Freude, gemeinsam Handball zu spielen, kam immer wieder zum Ausdruck. Von außen lebte das der verletzte Janik Zerweck vor, der unermüdlich mitfieberte und motivierte. Auf dem Feld war es das Abklatschen, das Anfeuern, die Aufmunterungen. „Der Zusammenhalt ist deutlich stärker als in den vergangenen beiden Jahren“, bestätigte Schweikardt.

TSB Horkheim: Grathwohl, Hölzl (Tor) – Mönch (7), Reichert (6), Grosser (1), Fröhlich (4), Noah Matusik, Kuhnle, Foege (3), Niklas Matusik (2), Bohnenstengel (7/6), Uhl (1), Starz (3), Levak (3).
Beste Schützen des SV: Kockler (5), Zellmer (5), Bayer (5), Knieps (5/2).
Siebenmeter: SV 3/2; TSB 8/6.
Zeitstrafen: 4/6.
Rote Karte: Ivankovic (SV Zweibrücken/45.)

Begeisterter Kapitän

Eine fiese Kombination aus Blasenentzündung plus viralem Infekt hatte TSB-Kapitän Oliver Heß die Woche über lahmgelegt. Das Spiel der Teamkollegen verfolgte der 33-Jährige daher am Livestream. „Das war ein überragender Auftritt der Jungs. Die Leidenschaft und Einstellung spürbar. Nicht nur auf dem Feld, sondern auch von der Bank aus“, sagte Heß am Sonntag. „Das Siegerfoto mit meinem Trikot hat mich gefreut.“ Nächste Woche will der Kapitän natürlich wieder an Bord sein.