Ein Auswärtsspiel bei den Obrigheimer Ochsen ist wie ein Besuch beim Zahnarzt, kann glimpflich ausgehen, kann aber auch so richtig weh tun. Der TSB hat beides schon erlebt. Beim letzten Gastspiel gelang nach einem knallharten Abnutzungskampf ein knapper Sieg, ein Jahr zuvor ging man bei einer Wasserschlacht so richtig Baden.
Und auch dieses Wochenende sah es lange Zeit, je nach Betrachtungsweise, nach schmerzhafter Wurzelbehandlung bzw. nach kräftigem Vollbad aus. Im Vergleich zur Vorwoche waren die Horkheimer nicht wiederzuerkennen, gerade offensiv schien wenig bis gar nichts zu funktionieren, das harzfreie Spielgerät war nicht gerade förderlich. Über 5:2, 9:4 setzten sich die Badener schnell ab, bevor es beim 13:8 in die Halbzeit ging. Probleme machte vor allem Pascal Bauer Vertretung Albin Mustafa auf Linksaußen und Marathonmann Christian Schau von der Halbposition.
Und auch nach der Halbzeit deutete wenig bis gar nichts auf den zweiten Saisonsieg der Horkheimer hin. In der Defensive fehlte weiterhin der Zugriff und die Offensive kam nicht ins Rollen. Erspielte man sich dann doch mal eine Chance, vergab man leichtfertig und ließ teils klarste Einwurfmöglichkeiten aus. Nach knapp vierzig Minuten stand es 18:11, Malte Willms griff zur grünen Karte, ein Debakel drohte. Es wurden Kaltgetränke gereicht und scheinbar war ein Heilmittel oder ein Zaubertrank in den Wasserflaschen, der TSB präsentierte sich wie ausgewechselt. Die Abwehr wurde zu einer schier unüberwindbaren Mauer und ließ den Obrigheimern wirklich garkeine Luft zum Atmen. Auch vorne präsentierten die Unterländer sich nun ihr wahres Gesicht. Patrick Lang konnte immer wieder erfolgreich abschließen und auch das Tempospiel funktionierte nun besser. Und so wurde der Rückstand der Horkheimer immer kleiner, bevor das Spiel komplett kippte und den Gastgebern vollends der Zahn gezogen wurde, sodass am Ende tatsächlich ein 20:23 Auswärtssieg stand. Den Hausherren war der Frust sichtlich anzumerken und so gab es in der Schlussphase das ein oder andere Foul, bei dem man sich schon Fragen musste, ob die Abwehrspieler ein paar Strahlen zu viel vom Kraftwerk abbekommen hatten. Aber was solls, der Jubel nach dem Schlusspfiff kannte auf Seiten der Gäste keine Grenzen und wäre das Spiel samstags gewesen, wäre wohl die Laube nach diesem Auftritt komplett zerlegt worden.
Was nehmen wir mit aus diesem Spiel? Klar, eine unglaublich anmutende Aufholjagd gegen einen ganz eklig zu bespielenden Gegner ohne Harz und in fremder Halle. Aber eben auch vierzig Minuten Handball, die besonders offensiv niveautechnisch unter der Grasnarbe anzusiedeln sind. Sich immer auf diese Comebackqualitäten zu verlassen wird nicht funktionieren und andere Teams nutzen eine phasenweise Nicht-Performance der Horkheimer gnadenloser aus. Ein solches Team könnte auch der nächste Gegner sein, die SG Degmarn/Oedheim, die sich in der Coronapause mit Spielertrainer Sören Vogt und Ex-OisBe Kapitän Benny Schreider verstärkt hat und nach einigen schwächeren Jahren der absolute Topfavorit sein sollte. Aber wer weiß, was dort in zwei Wochen für die Stauwehrboys drin sein wird, Gerüchten zufolge gelang auch gegen die Oedheimer schonmal eine spektakuläre Aufholjagd, deren Keeper wird sich besonders gut daran erinnern…
Schultz(TW), Löbich(TW), Neutz(1), P.Lang(6), Winter(3), Hamberger(5/3), Grosser(2), Ohr(1), Hoffmann(2), Hagelauer(1), Braun, Thiele, Bauer(1)